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10.09.2009
Hallo Welt,
eigentlich müsste ich jetzt „bonjour“ sagen und euch alle mit meinen Französischkenntnissen beeindrucken. Ich war nämlich gerade mal wieder in einem Land, in dem ich es bereut habe, dass ich damals in der Schule (lang ist es her) nicht besser im Französischunterricht aufgepasst habe. Könnte natürlich auch „jambo“ sagen, denn hier im Osten des Landes spricht man Swahili.
Nach fast 2 Jahren war ich zurück in der Demokratischen Republik Kongo. Dieses Mal kam sogar mein Gepäck gleichzeitig mit mir an (falls ihr euch erinnert, war das bei meinem letzten Besuch nicht der Fall) sehr zur Erleichterung meines Kollegen Raelton, für den es der erste Einsatz war. Ich denke, auch ohne verlorenes Gepäck hatte er eine gute Einführung in die Höhen (tolle Menschen, viel Sonne, Erfolg beim Starten von Projekten) und Tiefen eines Katastrophenhilfeeinsatzes (chaotische Transportmittel, wie z.B. ein Boot, das in der Mitte des Sees den Geist aufgab einfach, weil man nicht genügend Benzin mitgenommen hatte, Übernachtungen in Räumen, wo es weder Wasser gab, nicht mal im Eimer und wo die Betten Bettlaken hatten, die vermutlich noch nie gewaschen wurden und sicherlich das Zuhause von vielen kleinen Lebewesen waren).
Offiziell hat der Bürgerkrieg hier 2003 aufgehört. Aber nach wie vor herrscht im Osten des Landes eine der größten humanitären Krisen weltweit. 5,4 Millionen sind seit 1989 hier gestorben an den Folgen des Bürgerkrieges und 2.1 Millionen Menschen sind zur Zeit im eigenen Land auf der Flucht. Und dennoch ist die Krise hier eine der unsichtbaren Krisen und man hört weltweit wenig davon. Denn im Grunde ist der Osten des Landes hier seit dem Völkermord im Nachbarland Ruanda 1994 von kriegerischen Kämpfen zwischen verschiedenen Rebellenarmeen und der Regierung geprägt. Und wie immer trifft es am härtesten die dort lebenden Zivilisten. Viele davon befinden sich ständig auf der Flucht und in keinem Land habe ich schockierendere Geschichten darüber gehört, wie Gewalt gegen Frauen und Kinder als Waffe eingesetzt wird, um sich an einer Völkergruppe zu rächen, um Menschen zu demütigen und um Macht zu demonstrieren gegenüber denjenigen, die sich nicht wehren können.
Zu Beginn des Jahres hat nun eine der Rebellengruppen ihre Waffen niedergelegt und einen Friedensvertrag mit der Regierung unterschrieben. Während in manchen Gegenden weiterhin Menschen fliehen und in Gefahr vor Rebellenangriffen sind, sind die Gebiete, die von dieser Rebellengruppe beherrscht wurden nun als relativ sicher eingestuft worden und die Menschen hier kehren zögerlich zurück in ihre Dörfer. Wir haben uns mit einigen dieser Menschen unterhalten. Ein blinder, älterer Mann sprach uns an und bat um Hilfe. Wie viele andere lebte er die vergangenen Jahre in einem Flüchtlingslager. Er ist nun zurück in seinem Heimatdorf aber dort besitzt er nichts mehr. Sein Haus ist zerstört und er selber schläft nun irgendwo im Busch. „Das größte Problem ist Nahrung“ sagt er.
Um nachhaltige Nahrungsversorgung zu gewährleisten haben wir in verschiedenen Dörfern nun ein Landwirtschaftsprojekt gestartet. Saatgut und landwirtschaftliches Werkzeug wurden in den ersten beiden Dörfern verteilt an Frauen und Familien, in welchen ein Minderjähriger als Familienoberhaupt gelten weil beide Eltern verstorben sind. Um die 3 Monate bis zur Ernte zu überbrücken werden auch Nahrungsmittel ausgegeben.
Die Heilsarmee hat fitte Leute vor Ort, die das Projekt nun durchführen werden. Das Schwierigste für meine einheimischen Kollegen ist jedoch die Koordination mit anderen Organisationen. Insbesondere in Gegenden wie dieser, die in humanitären Kreisen als heiß angesehen werden, gibt es unzählige Organisationen, die größere oder kleinere Projekte durchführen. Koordiniert wird das Ganze von der UN und um zu vermeiden, dass verschiedene Organisationen das selbe für die gleichen Menschen planen und andere Dörfer gar keine Hilfe bekommen, nur weil man nichts voneinander weiß, ist man als Organisation dazu angehalten, bei den verschiedenen Koordinationstreffen teilzunehmen. Das können dann unter Umständen mehrere pro Woche sein, denn es gibt für jeden Arbeitsbereich (wie z.B. Landwirtschaft, Wiederaufbau, Nahrung, Gesundheit...) extra Treffen, dazu noch ein wöchentliches allgemeines Treffen und ein Sicherheitstreffen. In Letzterem werden die aktuellsten Infos darüber gegeben, wo die jeweiligen Rebellengruppen sich gerade aufhalten, welche Gegenden als sicher eingestuft werden und wo man am besten gerade nicht hin sollte.
Ganz aktuell erfuhren wir dort von zwei Anschlägen am Tag zuvor auf Fahrzeuge, die auf der Straße passiert sind, auf der wir am selben Tag fahren mussten. Unterwegs sahen wir dann auch einen der niedergebrannten Lastwagen und dabei wird einem schon ein bisschen mulmig zumute. In den letzten Jahren ist es auch nicht mehr so, dass man als humanitäre Organisation einen Status hat, der respektiert wird und einen vor Anschlägen schützen würde. Hier im Osten Kongos gab es alleine in diesem Jahr bereits 84 Anschläge auf Hilfswerke.
Meine Aufgabe war es nun, mich mit unzähligen anderen Organisationen wie z.B. WFP (World Food Programme), FAO (Food and Agricultural Organisation), UNICEF, UNHCR, CARITAS, Action against hunger und anderen zu treffen und die Heilsarmee in das Netzwerk dieser Organisationen zu bringen. Als wir dann sichergestellt hatten, dass unsere Pläne sich nicht mit denen von anderen Organisationen überschneiden, konnten wir unser Projekt starten. Im Oktober/November gehe ich dann wieder hin und schaue mir an, wie es bisher so läuft. Außerdem wurden wir angefragt, uns auch beim Wiederaufbau von Häusern zu beteiligen. Mal schauen. Die Arbeit geht uns nicht aus.
So, das wars jetzt mal wieder für heute.
Euch allen das Allerbeste und Segensreiche! Bis zum nächsten Mal! Damaris
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Die Heilsarmee - Divisionshauptquartier - Fregestraße 13-14 - D-12159 Berlin, Telefon: +49-(0)30-859889-0 - Fax: 49-(0)30-859889-99
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