Ein neuer Brief von Damaris Frick

Ost-Division   Die Heilsarmee in Berlin und den Neuen Bundesländern

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24.09.2007

Hallo Welt!

Seit über 2 Wochen bin ich in Kalemie, im Osten des Landes. Es ist krass, wie schnell die Zeit Kongo-a5vergeht, vor allem wenn man viel zu tun hat.

Meine Tage sind durchaus sehr voll. Ich stehe gerade immer so gegen 6.00 Uhr auf, frühstücke, lese ein Kapitel in der Bibel, schlucke meine Malariatabletten und arbeite. Ist immer ein bisschen schwierig zu beschreiben, was ich denn so mache aber ich versuchs mal:

Ich gehe zu Meetings, zum District Commissioner (sowas wie der Bürgermeister), zum Immigration Office, zur UN, zu Händlern (in so einer kleinen Stadt wie Kalemie gibt’s da im Grunde nur „l’arab“ und „l’indie“, den Araber und den Inder, die handeln mit allem möglichen) für Baumaterialien, Computer und Motorräder (letzteres leider nicht für mich) schreibe Verträge und Briefe, berechne Baukosten für Häuser und daKongo-a2s Büro (ich werde zum Experten für Hausbau und das auch gleich noch mit lauter Begriffen, die ich weder in französisch noch in englisch kenne), mache Abrechnungen über die Finanzen, registriere unsere Orga überall, verhandle mit der Bank, schreibe Wochenberichte und 1-2mal wöchentlich mehr persönliche Berichte, mache tausende Fotos und sortiere sie, halte das THQ (Hauptquartier im Kongo) und IHQ (Internationales Hauptquartier in London) über alles auf dem laufenden...

Zwischendrin mache ich mal kurz 15 Minuten oder so Mittagspause und dann geht’s weiter. Kurz vor 18.00 nochmals kurz ins Internetcafé (weil es dann zumacht). Dann mache ich noch mehr Papierkram und beantworte vielleicht mal noch offline ein paar Mails. Das Licht ist abends so schwach, dass ich dazu meine Stirnlampe brauche.

Kongo-a3Dann springe ich unter die Dusche (Eimerdusche nur mit kaltem Wasser... trotzdem vielleicht fast der großartigste Moment des Tages) und dann lese ich vielleicht noch ne halbe Stunde und geh schlafen. So sehen meine Tage aus.

Irgendwie hört sich das gar nicht nach so viel an, aber alles dauert hier halt auch nochmals viel länger, fast jeden Tag ist hier für mehrere Stunden Stromausfall, bei allen „wichtigen“ Personen muss man warten, und der öffentliche Nahverkehr besteht aus Motorradtaxis und Sammeltaxis, beides sehr erlebnisreich aber auf Sandpisten auch einfach umständlich.

Am tollsten sind die Tage, wenn wir ein bis zweimal pro Woche in „unsere“ Dörfer gehen. Da brauchen wir wegen der schlechten Straßen einen ganzen Tag. Aber es ist auf jeden Fall den Aufwand und die blauen Flecken (wegen den Schlaglöchern) wert. Kongo-a4

Wir haben hier ein Projekt mit 230 Familien in 4 verschiedenen Dörfern. Alle diese Menschen sind vor den Kämpfen und dem Krieg geflohen und nun zurückgekehrt. aber ihre Dörfer sind verwüstet und geplündert.

Sie wohnen nun in Hütten aus Stroh, die natürlich nur unzureichend vor Regenfällen und Krankheiten schützen.

Gemeinsam mit den jeweiligen Dorfältesten wurde beschlossen, dass die Bewohner in Eigenarbeit Ziegel herstellen und ihr Haus bauen werden. Ein von uns angestellter Schreiner berät die Leute und stellt sicher, dass die Häuser die richtige Größe und Stabilität haben. Nach dem Bauen der Wände suchen sie Holz für das Kongo-a6Dachgerüst, von uns gibt es dann dazu Nägel, Hammer, Sägen und anderes Werkzeug. In den letzten beiden Wochen haben wir die ersten Nägel verteilt an die Familien, die die Wände schon fertiggestellt haben, das sind immerhin schon 65 Häuser. Wenn auch das Dachgerüst fertig ist, werden wir das Wellblech für die Dächer stellen und unser Schreiner erklärt den Bewohnern, wie es befestigt werden kann. Mit den dazugehörigen Nägeln kostet so ein Dach ca. 325$, für die Menschen in den Dörfern eine Summe, die sie unmöglich aufbringen könnten.

Zulite Kabamba ist eine der Frauen aus Mulenge, einem der 4 Dörfer. Sie ist eine Witwe mit drei kleinen Kindern. Frauen wie sie sind unsere erste Priorität. In allen Dörfern ermutigen wir die Bewohner, sich gegenseitig zu helfen, besonders den Schwächeren.

Kongo-a1Zulite lebt momentan noch in ihrer Strohhütte, aber ihr Haus wird bald fertig sein. Hoffentlich wird es ein Schutz sein für sie und ihre Kinder nicht nur vor der Regenzeit im November.

Nach der Fertigstellung der Häuser ist ein landwirtschaftliches Projekt geplant. Es gäbe noch viel mehr zu tun, aber im Moment sind unsere finanziellen Kapazitäten erstmal ausgeschöpft.

Nebenher bauen wir hier noch ein kleines Büro, um die Arbeit vor Ort einfach ein bisschen effektiver zu gestalten. Fotos davon gibt’s dann vielleicht beim nächsten Mal, dieses mal seht ihr einfach ein bisschen was von der Arbeit in den Dörfern.

Der Strom ist mal wieder weg. Ich muss also mal schnell fertig schreiben, denn der Akku von meinem Laptop ist nicht mehr so toll.

Danke für euer Interesse und ein besonderes Danke für die netten Reaktionen, die ich immer mal wieder auf meine Rundmails bekomme.

Seid gedrückt und gesegnet!

Damaris Frick