November-Brief 1 Damaris

Ost-Division   Die Heilsarmee in Berlin und den Neuen Bundesländern

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Brief vom 01. November 2006

Hallo Welt!

Seit fast 3 Wochen bin ich jetzt in Chennai (Madras), Indien. Und da wird es ja auch mal Zeit, dass ich ein Lebenszeichen von mir gebe.

Ich wurde supernett willkommen geheissen und in das Leben und die Arbeit eingespannt, als ob ich schon immer hier gewesen wäre.

Das Einleben war wahrscheinlich auch deswegen einfacher, weil vieles an das Nachbarland, Pakistan erinnert, so ist beispielsweise das Essen ähnlich scharf und mit den Fingern zu geniessen, und ich kann meine pakistanischen Kleider anziehen.

Die Ostküste von Indien hat ja unter dem Tsunami an Weihnachten 2004 sehr gelitten. Da die Heilsarmee in Indien sehr stark vertreten ist, konnte auch sofortige Hilfe geleistet werden. Am Anfang war es vor allem die Unterstützung mit Lebensmitteln, Kochutensilien und Kleidung,

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aber auch seelsorgerlicher Beistand. Später konnten dann verschiedene Projekte durchgeführt werden. So wurden mehrere hundert Häuser und Toiletten gebaut, Fischerboote und Motoren repariert, Netze geliefert, eine Salzplantage wiederhergestellt, Fahrräder für Schulkinder oder Wasserbüffel für Farmer bereitgestellt, Selbsthilfegruppen und Training-Center für Frauen gestartet und vieles mehr. Bei allen Projekten war die Miteinbeziehung der beteiligten Bevölkerung besonders wichtig. So wurden die Menschen geschult und mit Materialien ausgestattet und haben dann ihr Haus zum Großteil selber gebaut oder für die Boote wurden Bootswerkstätten errichtet. Bei den Selbsthilfegruppen beispielsweise bekamen alle Teilnehmerinnen ein kleines Darlehen, mit welchem sie sich etwas aufbauen konnten (zum Beispiel einen Verkaufsstand für Gemüse oder Fische). Mit monatlichen Raten wurde das Geld dann zurückbezahlt um schließlich weiteren Frauen zur Verfügung gestellt zu werden. Das Dorf musste auch jeweils selber entscheiden und festlegen, wer am bedürftigsten ist und zuerst ein Haus bekam oder in eine Selbsthilfegruppe aufgenommen wurde. Durch diese Projekte wurde den Menschen Hoffnung, Selbstwert und die Aussicht auf eine Zukunft wiedergegeben.

Was ist jetzt genau meine Aufgabe? Viele Dinge sind hier schon entstanden, aber die meisten Projekte sind noch immer am Laufen. Meine Hauptaufgabe hier ist es, das alles zu dokumentieren. Geplant sind eine ausführliche (ca. 30-seitige) Broschüre und eine schriftliche Dokumentation der gesammelten Berichte, Geschichten und Erlebnisse zusammenzustellen. Der Projektleiter John Lumar kommt einfach nicht dazu und hatte für diesen Bereich um Hilfe gebeten. So lese ich hier gerade unzählige Berichte, schaue durch tausende (unsortierte!) Fotos, mache eine Bestandsaufnahme in den einzelnen Projekten, stelle Fragen und sortiere die ganzen Daten. Die letzten 4 Tage war ich jetzt auf 'Field Visit', das heißt, ich war in den einzelnen Dörfern und habe mich mit den Leuten unterhalten. Wenn man bedenkt, dass es eine ca. achtstündige Fahrt ist, bevor man überhaupt in dem Gebiet ist, war das eine sehr intensive Zeit. Morgens haben wir unsere Unterkunft verlassen, sind dann in verschiedene Dörfer gefahren und kamen teilweise erst nach 22.00 zurück. Aber es war richtig schön. ich habe bewegende Geschichten von Trauer und Verlust gehört aber auch Geschichten von Hoffnung und Erfolg. Und ich habe so viele wunderbare einzelne Persönlichkeiten getroffen.

Ach, ich glaube, ich habe wirklich die tollste Arbeit auf der ganzen Welt! :-)

Jetzt bin ich zurück in Chennai und sortiere meine Infos. Damit Sie auch etwas zu sehen haben gibt es auf dieser Seite fünf Fotos:

1. Die Dorfbewohner haben durch den Tsunami ihre eigentliche Einnahmequelle, die Produktion von Kalk (durch das Sammeln und Kochen von Muscheln) verloren, ein Projekt ist hier ein Gemeinschaftsgarten, wo Gemüse zum Eigenverzehr und Verkauf angebaut werden kann

2. Habe mich mit den beiden Männern unterhalten, links von mir: Er baute mit Hilfe der Heilsarmee ein neues Haus, rechts von mir: Er bekam einen Wasserbüffel, der vor allem für die Milchproduktion genutzt wird

3. Mit Kindern in einem der Küstendörfer

4. Eine Familie vor ihrem neuen Haus

5. Der Mann (von Bild 2) mit seiner Frau und seinem neuen Wasserbüffel

So, das war mal wieder ein kurzer Einblick in mein Leben!

Wie immer danke an Sie alle, an Ihre Unterstützung und Ihr An-mich-denken!

Seien Sie gesegnet und ein Segen!

Damaris Frick