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30.05.2006
Tatort: Plattenbauviertel von Chemnitz
Zeitpunkt: 27. Mai 2006
Staatsministerin, 5 Mitglieder des Landtages (verschiedener Parteien) und zwei OB- Kandidaten besuchten die Eröffnung des neuen Heilsarmeezentrums in Chemnitz am 27. Mai 2006 (siehe auch Kurzbericht vom 29.05.2006).
Großer Bahnhof bei der Heilsarmee in Chemnitz. Freunde, Partner der Sozialarbeit und der Kirchen, sowie auch viel Politprominenz gaben sich ein Stelldichein bei der Eröffnung des Neuen Projekts der Heilsarmee in Chemnitz.
Unter viel Applaus und mutmachendem Zuspruch konnten
Frank und Regina Heinrich am Samstag, den 27. Mai die seit März gemieteten Räume der Benutzung durch die Öffentlichkeit übergeben. Dazu hatten sich viele Chemnitzer einladen lassen. Die Räume in einem ehemaligen Versorgungszentrum (Einkaufspassage) waren in den Wochen zuvor renoviert worden und standen zu dieser formellen Anlaß sowie diesem „Tag der offenen Tür“ zum ersten Mal zur Verfügung. Neben den neuen Nachbarn, Freunden aus anderen Kirchen und neugierigen Passanten kamen auch Menschen des öffenlichen Lebens um an diesem Festakt teilzunehmen. So kamen neben der Sächsischen Staatministerin Barbara Ludwig auch fünf Mitglieder der Landtags verschiedener Parteien und freuten sich mit uns über den Hoffnungsfunken in einem trostlosen Umfeld, so die Aussage eines Landtagsabgeordneten.
Nach dem Festakt stand das neue Begegnungszentrum für alle Altersgruppen offen. Ein Familienfest mit Tanz, Pantomime, Spiel und sehr viel Spaß, organisiert von den KingsKids in Chemnitz, eine Schminkstation, Kuchen und Kaffee, sowie frisch Gegrilltes waren die weiteren Zutaten zu einem Tag, der in der Geschichte der Chemnitzer Heilsarmee als Meilenstein in Erinnerung bleiben wird. Insgesamt haben mehr als 250 Menschen an diesem Tag einen Schritt in dieses neue Begegnungszentrum gewagt – sehr zur Freude der Mitarbeiter.
In diesem Stadtviertel, in dem es bis heute keine Kirche gibt (trotz 15-20.000 Einwohnern) starteten junge Leute der Heilsarmee Chemnitz vor knapp 5 Jahren mit einem Kinderprogramm. „McTurtle Projekt“ Spiele, Geschichten, Theater, Lieder und viel Spaß sollen den Kindern die schönsten 2 Stunden der Woche bescheren, das war der Anspruch. Zudem werden alle Familien der Kinder einmal in der Woche besucht – oder wenn niemand da ist wird die Einladung und das „Rätsel“ für das nächste Mal vorbeigebracht.
Seit vergangenem Jahr sahen die Mitarbeiter es „an der Zeit“, dort näher heranzurücken und planten somit ein Projekt ganz in der Nähe des Kinderprogramms.
Dieses Stadtviertel, daß noch unter der Ära entstand, deren Motto es auch war „Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein“ hat seit der Wende nicht nur gute Zeiten erlebt. Das ehemalige Fritz-Heckert Gebiet besteht aus 4 ½ Stadtvierteln mit heute noch mehr als 40.000 Einwohnern (damals bis zu 80.000). Zwei Kirchen wurden schon zur Zeit des Sozialismus dort erlaubt, aber eben nur auf der einen Hälfte dieses Gebietes (getrennt durch ein kleines Tal). Den anderen ca. 15-20.000 Menschen steht keine Kirche oder christliches Angebot in Reichweite zur Verfügung und auch hier sahen wir es an der Zeit, diesem auf die eine oder andere Weise Abhilfe zu verschaffen.
Mitten in einer Zeit in der die Menschen dieses Stadtviertels nicht nur keine Alternativen angeboten bekamen, sondern vom Zusammenbruch der Beziehungssysteme und wirtschaftlichen Grundlagen desillusioniert wurden – soll wieder Begegnung und neue Perspektive angeboten werden.
Dieses Stadtviertel hat nach dem Wegzug von bis zu der Hälfte der Bewohner (pro Straßenzug), dem Abriss von vielen Gebäuden auch einen wirtschaftlichen Aderlass hinter sich. Was zu DDR-Zeit noch notwendig eingeplant wurde, kann sich jetzt wirtschaftlich nicht mehr halten und bricht weg. Viele Läden stehen leer. Auch wenn weiterhin klar ist, dass diese Menge an Bewohnern in etwa bleiben wird, reden die Menschen von „keine Zukunft“.
Die Arbeitslosigkeit ist zwar etwa ähnlich der im Stadtgebiet (ca. 20 %) aber die Jugendarbeitslosigkeit beläuft sich auf etwa 40 %. Die meisten Jugendlichen suchen ihr Glück im „Westen“. Immigration ist ein Problemfeld und Familien stehen oft auf sich allein gestellt da. Die EU fördert dieses Stadtviertel aus einem Topf „soziale Stadt“, weil er Merkmale von „sozialen Brennpunkten aufweist“ (nur 4 Stadtteile in den neuen Bundesländern werden unseres Wissens so gefördert).
„Wir treten an mit dem Vorsatz nicht nur zu predigen, sondern zu leben“, so Kapitän Frank Heinrich „Also nicht nur herzukommen um dann wieder abends nach hause zu fahren. Wir ziehen mit Mitgliedern unserer Gemeinde in dieses Stadtviertel. Ganz nach dem Motto: 'Gott wurde Mensch – und zog in unsere Nachbarschaft' (nach Johannes 1, 14). Seine Inkarnation wird zu einem Auftrag für uns, wenn es um Nachfolge geht, denn sein Schritt zu uns war auch nicht ohne.
Wir können dann nicht nur predigen und Kirche so leben, wie wir sie denken und kennen. Wir werden uns als Kirche dorthin tragen und die Begegnung mit Gott durch unser Tun, Sein und Reden provozieren, IHM und den Gästen, Besuchern, Passanten, Nachbarn ihre Art und ihren Weg lassen.
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